Auf meiner Sommertour war ich bei der Heinrich GmbH in Berlin-Lichtenrade zu Gast. Der Besuch hat mir einmal mehr gezeigt, wie vielfältig das Handwerk ist: Die Heinrich GmbH ist ein Betrieb des Feinwerkmechaniker-Handwerks. In den Gesprächen wurde deutlich, wie eng handwerkliches Können, technische Entwicklung und unternehmerische Verantwortung miteinander verbunden sind. Sie bilden die Grundlage dafür, neue Technik einzuführen, anspruchsvollere Kunden zu gewinnen und den Betrieb über Generationen hinweg weiterzuentwickeln.
Angefangen hat alles mit Holzschnitz-Kopiermaschinen
Die Geschichte des Unternehmens beginnt 1924, als der Maschinenbaumeister Wilhelm Heinrich seine Firma in der Alexanderstraße gründete. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wagte er 1951 in der Gerichtstraße den Neuanfang. Aus Reparaturen, Ersatzteilen und Drehteilen entwickelte sich bald die Produktion von Schrauben und Muttern.
Mit reparierten und neu angeschafften Drehmaschinen verlagerte sich der Schwerpunkt zunehmend auf Kleindrehteile. 1957 legte Horst Heinrich mit dem ersten kurvengesteuerten Kurzdrehautomaten einen wichtigen Grundstein für die weitere Entwicklung. Schon damals verband der Betrieb technisches Können mit dem Mut, neue Wege zu gehen.
Diese Haltung ist bis heute geblieben: Neue Maschinen sind nicht Selbstzweck, sondern schaffen die Voraussetzung,
Kundenanforderungen zuverlässig und in hoher Qualität zu erfüllen. Genau dieser Anspruch ist mir bei meinem Besuch besonders aufgefallen.
Investieren, um zukunftsfähig zu bleiben
Mit kontinuierlichen Investitionen in Technik und Know-how entwickelte sich der Betrieb weiter. 2006 übernahm Christian Pooch die Geschäftsführung. Im darauffolgenden Jahr zog die Heinrich GmbH auf ein neues Betriebsgelände in Berlin-Lichtenrade. Die großzügige Produktionshalle schuf bessere Bedingungen für die Fertigung und Raum für weiteres Wachstum.
2017 folgte mit der Anschaffung eines 5-Achs-Bearbeitungszentrums von Bumotec ein besonders wichtiger Schritt: Mit dem Einstieg in die Fräsbearbeitung erweiterte die Heinrich GmbH ihre Möglichkeiten und erschloss neue Kundenkreise.
Familienunternehmen heißt: Verantwortung weitergeben
Auch die nächste Generation ist im Betrieb angekommen: Sebastian Pooch trat 2010 nach seiner Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker in das Unternehmen ein, sein Bruder Tobias folgte 2015 – ebenfalls als Zerspanungsmechaniker und zusätzlich mit einem Masterabschluss im Maschinenbau.
Im Gespräch mit der Familie Pooch und beim Rundgang durch den Betrieb wurde für mich besonders spürbar, wie sich praktische Erfahrung, technisches Verständnis und familiäre Verantwortung verbinden. Maschinen, Verfahren und Märkte verändern sich. Der Anspruch an Präzision und Qualität bleibt.
Der Blick nach vorn
Was mich an diesem Besuch besonders beeindruckt hat: Mehr als hundert Jahre Unternehmensgeschichte sind kein Selbstläufer. Sie entstehen durch Menschen, die Verantwortung übernehmen, durch Beschäftigte, die ihr Handwerk verstehen, und durch die Bereitschaft, immer wieder in die Zukunft zu investieren.
Im Gespräch über die weitere Entwicklung des Betriebs ging es deshalb auch um Zukunftsthemen wie Investitionen, Fachkräfte und die Nachfolge. Gerade für familiengeführte Unternehmen sind diese Fragen eng miteinander verbunden. Eine moderne Maschine kann neue Aufträge ermöglichen. Qualifizierte Mitarbeitende sorgen dafür, dass aus dieser Möglichkeit gute Arbeit wird. Und eine gelungene Übergabe stellt sicher, dass Erfahrungen und Werte nicht verloren gehen, sondern weiterwirken.
Mein Besuch bei der Heinrich GmbH hat mir einmal mehr gezeigt, wie viel unternehmerische Leistung im Berliner Handwerk steckt. Präzision entsteht nicht erst an der Maschine. Sie beginnt mit einer Idee, wächst mit jeder Generation und wird jeden Tag von Menschen mit Leben gefüllt.

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