Auf meiner Betriebsbesuch-Sommertour führt mich mein Weg in eine ruhige Seitenstraße in Steglitz. Hier, etwas abseits vom großen Trubel, ist Folienfeuer zu Hause – ein Betrieb für Schilder- und Lichtreklameherstellung.

Als ich die Werkstatt von Christoph Richter betrete, fällt mein Blick sofort auf ein Schild über dem Ladentisch: „Welcome Mrs. President“. Ein augenzwinkernder Empfang, der mich zum Schmunzeln bringt – und zugleich gut zu einem Betrieb passt, in dem Gestaltung, Ideen und individuelle Lösungen eine wichtige Rolle spielen.

Es ist jedes Mal ein schönes Gefühl, auf meiner Sommertour zu erleben, wie sehr sich die Handwerksbetriebe über meinen Besuch freuen. Der persönliche Austausch vor Ort, der Blick in die Werkstatt und die Geschichten hinter den Betrieben machen diese Besuche für mich besonders wertvoll.

Mut zur Übernahme

Christoph Richter ist Meister in seinem Gewerk und bildet selbst aus. Vor einigen Jahren hat er Folienfeuer übernommen, als der damalige Inhaber seinen Betrieb aufgeben wollte. Für Richter bedeutete das, den Schritt in die Selbstständigkeit nicht langsam und schrittweise zu gehen, sondern einen Betrieb direkt zu übernehmen – mit allen Chancen und Herausforderungen, die damit verbunden sind.

Er hat sich getraut, einen bestehenden Betrieb aus dem Stand heraus zu übernehmen. Eine wichtige Grundlage war dabei der vorhandene Kundenstamm. So konnte er auf gewachsenen Beziehungen und Erfahrungen aufbauen und gleichzeitig seine eigenen Ideen einbringen.
Die Übernahme eines bestehenden Unternehmens kann ein guter Weg in die Selbstständigkeit sein. Der Kundenbestand, die Ausstattung und die Bekanntheit des Betriebs bieten einen Ausgangspunkt. Gleichzeitig braucht es Mut, Verantwortung und die Bereitschaft, den Betrieb weiterzuentwickeln. Christoph Richter hat diesen Schritt gewagt und Folienfeuer zu seinem eigenen Unternehmen gemacht.

Mehr als nur Folie

Wie viel Arbeit und Kreativität hinter einem gelungenen Werbeauftritt steckt, zeigt sich im Ladenraum besonders eindrucksvoll. An einer „Walk of Fame“-Wand sind unzählige Fahrzeuge abgebildet, die Christoph Richter foliert hat. Jedes Foto erzählt von einem Projekt und macht sichtbar, wie unterschiedlich die Anforderungen und Gestaltungsideen seiner Kundinnen und Kunden sein können.

Für Richter beginnt ein guter Werbeauftritt nicht erst mit dem Aufbringen der Folie. Entscheidend ist für ihn der gesamte Entstehungsprozess: die Idee, die Gestaltung, die Abstimmung mit dem Kunden und die Frage, wie ein Unternehmen nach außen sichtbar werden soll.

Kreativität ist dabei kein Selbstzweck. Sie muss zum Betrieb, zur Marke und zur gewünschten Wirkung passen. Ein Fahrzeug, ein Schild oder eine Lichtwerbeanlage soll nicht nur technisch sauber umgesetzt sein. Sie soll Aufmerksamkeit erzeugen, wiedererkennbar sein und die Geschichte eines Unternehmens nach außen tragen.

Gerade darin zeigt sich die Stärke des Handwerks: Am Ende entsteht etwas, das individuell für einen Betrieb entwickelt und mit Erfahrung, Präzision und handwerklichem Können umgesetzt wird.

Handwerk mit Zukunft

Bei Folienfeuer verbinden sich Gestaltung und Handwerk auf besondere Weise. Christoph Richter bringt seine Erfahrung als Meister ein, entwickelt den Betrieb weiter und gibt sein Wissen als Ausbilder an die nächste Generation weiter.

Seine Geschichte zeigt, dass Unternehmensnachfolge viele Gesichter haben kann. Manchmal wartet ein Betrieb nicht darauf, langsam aufgebaut zu werden, sondern auf jemanden, der Verantwortung übernimmt und den nächsten Abschnitt gestaltet. Dafür braucht es Unternehmergeist – und den Mut, eine Chance zu erkennen und zu ergreifen.

Mein Besuch bei Folienfeuer in Steglitz hat mir wieder gezeigt, wie vielfältig das Berliner Handwerk ist. Hinter jedem Betrieb stehen Menschen, Entscheidungen und persönliche Geschichten. Und manchmal beginnt ein Sommertour-Besuch mit einem Schild, das einen freundlich willkommen heißt: „Welcome Mrs. President“.