Jedes Jahr im Sommer packe ich meine Termine zusammen, ziehe los und besuche Betriebe, die das Berliner Handwerk ausmachen – Werkstätten voller Geschichten, Funken und Herzblut. In diesem Jahr hat es mich an einen ganz besonderen Ort geführt: an den Richardplatz in Berlin-Neukölln, zur Rixdorfer Schmiede.
Schon wenn man die Tür öffnet, spürt man: Hier steckt Geschichte in den Wänden. Die Rixdorfer Schmiede wurde 1624 erstmals urkundlich erwähnt – in einem sogenannten „Landreiterbrief“. Fast vierhundert Jahre Handwerksgeschichte an einem Ort, das muss man sich erst einmal vorstellen. Und doch ist hier nichts museal oder verstaubt: Es wird gearbeitet, gefeilt, geschmiedet – mit Feuer, Amboss und einer Menge Leidenschaft.
Die Schmiede ist heute der letzte Meisterbetrieb Berlins, der noch eigene Klingen schmiedet. Ein Alleinstellungsmerkmal, auf das Martin und Katharina, die das Handwerk hier mit Leben füllen, zu Recht stolz sind.
Vom Herrn der Ringe zum eigenen Schwert
Martins Geschichte ist schon sehr besonders : als Teenager verschlang er „Der Herr der Ringe“ – und seitdem ließ ihn der Wunsch nicht mehr los, selbst einmal ein Schwert zu schmieden. 1996 legte er seine Gesellenprüfung zum Schneidwerkzeugmechaniker, Fachrichtung Messerschmiede- und Schneidemaschinentechnik, ab. Der Kindheitstraum wurde Wirklichkeit, und seit dem Jahr 2000 trägt er den Meistertitel. Unzählige Klingen sind unter seinen Händen entstanden – jede ein Unikat, gefertigt ganz nach den Wünschen der Kundschaft.
Wenn Schmuck die Augen zum Funkeln bringt
Neben den Klingen ist da noch eine zweite große Leidenschaft im Haus: der Schmuck von Katharina. Schon als Kind bastelte sie mit Glasperlen und Draht, wie es eben Kinder tun. Ihr Weg führte sie zwischenzeitlich durch ganz unterschiedliche Stationen – als Musikerin, als Lehrerin, als „Haushalts-CEO“ – doch am Ende kehrte sie immer wieder zu Gold und Glitzer zurück. Nach Ausbildung und Firmengründung verwandelt sie heute Metall in funkelnde Unikate und erlebt dann, wie sie selbst sagt, am liebsten „wie die Augen der Menschen mit ihrem Schmuck um die Wette funkeln“.
Tradition, die man anfassen darf
Was die Rixdorfer Schmiede so besonders macht, ist nicht nur ihre lange Geschichte, sondern auch ihre Offenheit: Regelmäßig öffnet der Betrieb seine Türen für Veranstaltungen und lädt Besucherinnen und Besucher ein, sich selbst am Handwerk zu versuchen. Hier wird Handwerk nicht nur bewahrt, sondern aktiv weitergegeben.
Genau das ist es, was meine Sommertour für mich jedes Jahr so besonders macht: Betriebe wie diesen kennenzulernen, die mit Herzblut und Können ein Stück Berliner Geschichte am Leben erhalten – und dabei mutig genug sind, sich immer wieder neu zu erfinden.
Handwerk mit Zukunft
Betriebe wie die Rixdorfer Schmiede zeigen eindrucksvoll, wie altes Handwerk und unternehmerischer Mut zusammenfinden können.
Und wer selbst einmal den Funkenflug erleben, ein eigenes Schmuckstück fertigen oder gar sein eigenes Schwert schmieden möchte: Ein Besuch am Richardplatz lohnt sich – Berlins älteste Schmiede lädt herzlich ein.

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